Dunkelführung im Bunker Hagen

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English version here

Guten Abend!

Da ich gerade viel unterwegs bin, wird es wohl auch in der Zukunft mehr Einträge über meine Ausflüge geben. Ein paar habt ihr ja bereits gelesen und heute geht es um den Bunker in Hagen, den ich zusammen mit Oolaexai besuchte.
Ich fuhr schon oft mit dem Zug die Strecke nach Düsseldorf über Hagen und Wuppertal und bewunderte jedes Mal diese schönen Umgebung. Es entstand der Wunsch auf dem Weg auch einmal auszusteigen, da ich aber Städte nicht so extensiv besichtige, brauchte ich einen anderen Anreiz.
Den Bunker in Hagen.
Mein Blick fiel auf die Dunkelführung die uns sofort begeisterte. Ein dunkler Bunker, den man allein mit Dynamotaschenlampen begehen konnte. Es versprach also spannend zu werden.

Eines Tages packten wir also unsere Rucksäcke mit reichlich Essen und fragten uns den Weg zum Bunker durch. Sehr überrascht waren wir, als wir nur wenige hundert Meter von ihm entfernt feststellten, dass selbst die älteren Hagener die wir fragten diesen Bunker gar nicht zu kennen schienen!
Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir unser Ziel. Der Treffpunkt war ein uriges Bunkercafé, welches an den Tagen der Führungen immer geöffnet hat, Kaffee, Kuchen, Muckefuck und Infomaterial anbietet. Wir hatten sofort das Gefühl willkommen zu sein, der Empfang war freundlich und völlig unkompliziert. Die Einrichtung verwies auf die Vergangenheit, so wie die schwarz-weißen Bilder an den Wänden, welche zeigten wie die Stadt früher ausgehen hatte.
Draußen war es sehr kalt als wir den Ausflug machten, erste Amtshandlung also: Kaffee bestellen und aufwärmen. Bis die Gruppe sich eingefunden hatte verging etwas Zeit, also hatten wir die Chance ganz in Ruhe anzukommen. Sobald alle versammelt waren bekamen wir die wichtigsten Infos zu dem Bunker.
Wir erfuhren, dass Hagen im zweiten Weltkrieg besonders oft und heftig bombardiert wurde. Als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und einer ausgeprägten Rüstungsindustrie, bot sie ein wichtiges Ziel. Während der Bombardements wurde ca. 72% der Stadt zerstört. Bei den Angriffen ging es nicht nur darum die Industrie zu schädigen und die Versorgung der Truppen zu unterbinden, sondern es ging auch um die Demoralisierung der Bevölkerung. Die Stadt als Ganzes wurde angegriffen.
Der Bunker in der Bergstraße ist ein Hochbunker und gilt als Luxusbunker. Während der Luftangriffe fanden dort um die 3000 Menschen Schutz – er war eigentlich für 1200 Menschen angelegt worden.
Doch der Bunker bot nicht einfach nur Schutz, er diente auch denen als Unterkunft für die Menschen dessen Häuser zerbombt worden waren. Sie konnten winzige Räume mit Betten anmieten.
Warum ein Luxusbunker?
Er hat eine kleine Notküche, ein Heizungssystem, Notstromaggregat und eine Belüftugsanlage.
Wir konnten das Untergeschoss besichtigen, welches sich noch im Originalzustand befindet. Es umfasst 21 Räume in denen noch die alten Maschinen stehen und zusätzlich eine Ausstellung untergebracht ist. Sehr erschreckend war für uns die Information, dass der obere Teil des Gebäudes weniger gut gesichert ist (klar, er ist oberirdisch) und dass bei einem Angriff des oberen Stockwerks bereits die Leichen der Menschen als Schutzschicht mit in die Planung eingerechnet wurden.

Wir verließen das Café nach diesen und mehr Informationen und bekamen unsere Dynamotaschenlampen ausgehändigt.
In die Dunkelheit hinab zu gehen, nur mit so einer kleinen Taschenlampe bewaffnet war beunruhigend, doch wir hatte als Gruppe viel Gesellschaft.
Wir versuchten uns in die Situation hinein zu versetzen, mit dieser Masse an Menschen in die Bunkerräume hinunter zu steigen, der Alarm und die Geräusche der Flieger über uns im Hintergrund.
Einer der ersten Räume war zur Lagerung der wenigen mitgebrachten Habseligkeiten. Viel konnte im Falle eines Fliegeralarms nicht mitgenommen werden.

Ebenfalls am Eingang der Raum des Warts. Er kümmerte sich um den Bunker und war dafür verantwortlich, dass die Türen rechtzeitig geschlossen wurden und alle geordnet in den Bunker liefen.
Zusammen mit den Luftschutzhelfern lebte er im Bunker und trug Sorge, dass dieser immer einsatzbereit war.

Weiter den Gang hinunter fanden wir auch einen der Räume in denen sie schlafen konnten, die mit einem Bett und Schrank, einem kleinen Tisch und Stühle ausgestattet waren. Die Vorstellung die meiste Zeit im Bunker zubringen zu müssen auch wenn dieser zwischen den Angriffen beleuchtet war, war auch nicht angenehm. Schlussendlich ist man doch unter der Erde und „eingesperrt“, wenn auch sicherer.



Wirklich mulmig wurde mir bei dem Geräusch der Handsirene, die wir ausprobieren durften. Wir waren  im Dunkeln, hatten nur Licht durch unsere kleinen Taschenlampen, hörten Fliegergeräusche und dazu der an-und abschwellende Ton der Sirene. Vielleicht liegt es nur an all den Filmen die man immer gesehen hat, dass einem ein Schauer den Rücken herunter läuft, auch wenn man es nie selbst erlebt hat.
Auch der kleine Raum mit der abgedunkelten Glühbirne ließ einen nachdenklich werden. Im Falle eines Angriffes zwängten sich 20 Menschen in diesen kleinen Raum, die Tür wurde geschlossen und man wartete. Die Tür könnte auch nur von außen wieder geöffnet werden, da man verhindern wollte, dass sich Panik im Bunker ausbreiten konnte.
An diesen Tag waren Stephie und ich leider alleine in den Raum, unsere Gruppe war auch wesentlich keiner als 20 Leute.
Dieser Bunker sollte so viele Menschen wie möglich durch den Krieg bringen und doch war ich geschockt wie gerechnet wurde.

Wir fanden den Maschinenraum, in dem wir auch Knöpfe drücken durften. Die Geräusche fand ich wirklich voll gruselig und fremd in dem halbdunklen Raum. Ich war auch schnell einen Raum weiter. Was ihr hier unten seht ist das Notstromaggregat, mit dem vorrangig die Lüftungs-und Filteranlagen betrieben wurden. Im Bunker selbst blieb es für die schutzsuchenden Menschen dunkel.

In einem größeren Raum befand sich eine Ausstellung mit Gebrauchsgegenständen aus der Zeit, aber auch Postern und Soldbüchern.

Wir fanden auch dieses Spiel “Feindliche Flieger in Sicht”, mit dem die Kindern lernen konnten wie man sich im Falle eines Angriffs zu verhalten hatte. Es war für mich mit das eindrücklichste in diesem Bunker, weil es mir zeigte wie sehr es Teil des Alltags wurde und mich zum ersten Mal auch wirklich über die Kinder nachdenken ließ.

Wir gingen weiter, kontinuierlich an unserer Kurbel drehend um einen Fleck Licht zu haben.

Hinten fand ich in die Luftschutzbrandwache, in der Utensilien für die Befreiung von Verschütteten waren.  Spinnweben hingen von der Decke und spannten sich von einer Seite zur anderen des Raumes, was allem etwas geisterhaft schönes verlieh.

Als ich mich dann allerdings umdrehte, bekam ich den Schock meines Lebens! Hinter mir stand eine Puppe mit Gasmaske, die ich beim Betreten des Raumes nicht gesehen hatte. Sofort hatte ich Doctor Who in meinem Kopf und die Frage “Are you my mommy?”
Ich fand die Folge voll gruselig und sie verfolgt mich immer noch. Auch wenn sie eigentlich so schön war.

Ich hoffte Oolaexai sah das ähnlich 😉
Wir liefen oft getrennt durch den Bunker und während sie alles ausprobierte, machte ich Photos.
Hier von der Lüftungs- und Filteranlage, die den Bunker mit Sauerstoff versorgte und die Luft filterte, damit kein Gas in den Bunker kommen konnte.

Besonders nachdenklich stimmten die Räume die auf das Leben im Bunker hindeuteten. Die kleine Küche, in der zur Not etwas gekocht werden könnte.

Die schmalen, dunklen Zimmer, mit den Etagenbetten, in denen die Menschen vorübergehend leben konnten, in denen aber auch Menschen bei einem Angriff gepfercht wurden. In diesen Zimmern mussten 20 Menschen Platz finden: vier konnten auf dem Bett liegen, die restlichen 16 mussten im Raum stehen.


Die Krankenstation, mit ihren Utensilien, vor allem aber den Kindersachen. Gasmasken, beziehungsweise ganze Anzüge und Bettchen für kleine Kinder und Säuglinge.

Das war der zweite Punkt der mir besonders in Erinnung geblieben ist. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht wie kleine Kinder bei einem Gasangriff geschützt werden. Sie sollten nicht da sein…

Wir fanden einen Raum der verdeutlichte wie ein Kellerbunker ausgestattet sein sollte. Schon einige Zeit vor dem Krieg wurden die Menschen angewiesen ihre Keller zu entrümpeln. Druchbrüche zu den Kellern der Nachbarn wurden geschlagen, damit die Menschen in dem Fall, dass das Haus über ihnen einstürzte, auch wieder heraus kamen.


Für mich perönlich waren die Räume mit der entschärften Bombe und den Überresten eines Flugzeuges nicht sonderlich interessant, aber hier seht ihr die Bombe:

Irgendwann waren Oolaexai und ich alleine in den Gängen und Räumen.
Ein leerer Bunker ist fast noch gruseliger als ein mit wenigen Menschen besuchter. Hört man auf zu kurbeln und das Licht geht aus, umgibt einen Dunkelheit, Stille und die Fliegergeräusche.
Wir fanden in der Dunkelheit den Kohlenkeller mit der Heizungsanlage, beides Besonderheiten des Bunkers in Hagen.

Nach einer Weile verließen wir den Bunker wieder, erleichtert über das Licht und auch die Wärme. Trotz dass es draußen kalt war, im Bunker war es wesentlich kälter gewesen.
Zum Aufwärmen kehrten wir ins Café zurück, wo bereits Muckefuck auf uns wartete.

Nicht wirklich mein Geschmack, aber heiß und angenehm nachdem man gefroren hat. Immerhin sieht es aus wie Kaffee… 😉
Oolaexai un ich ließen noch einmal die Einrichtung auf uns wirken, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Wir hätten unglaublich gerne noch einen Kuchen gegessen, fanden aber nichts was uns gefiel, kannten uns aber auch nicht aus und so kehrten wir nach Hause zurück.

Die meisten Informationen in diesen Post sind von den Besitzern des Bunkers selbst, die sehr freundlich waren und sich viel Mühe gegeben haben, alles zu erhalten. Sie haben vieles bewahrt und ausgestellt, so dass es nun andere sehen können. 🙂 Solltet ihr mal in der Nähe sein ist der Bunker auf jeden Fall einen Besuch wert. 🙂

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag!

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